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Azubi-Ticket kommt gut an
von admin

Azubi-Ticket kommt gut an

Das Angebot gilt seit 1. Februar / Es gilt für Fahrten zur Berufsschule ebenso wie für private Ausflüge

Michelle Pfeiffer ist glücklich. Die 18-jährige angehende Floristin freue sich sehr über das seit Montag verfügbare Azubi-Ticket – auch wenn es ihr persönlich erst einmal gar nichts bringt. Grund: Corona. „Meine Berufsschule ist in Ribnitz-Damgarten, das macht 46 Euro Fahrtkosten pro Woche“, erzählt die junge Frau, die ihre praktische Ausbildung bei Blumen Bade in Bad Doberan absolviert und auch in Doberan wohnt. Da aber gegenwärtig wegen des Lockdowns keine Berufsschule stattfinde, brauche sie auch kein Ticket. Von dem Geld, was sie durch die Vergünstigung spare, könne sie „endlich den Führerschein machen und meine kleine Wohnung einrichten“.

Auch Benjamin Barczak (17) aus Wendelstorf, einer von zwölf Azubis in der Doberaner Metallbau Ott GmbH, begrüßt die Einführung des Tickets. „Alle Azubis haben das bei uns in der Firma online bestellt. Ich muss nach Güstrow in die Berufsschule – das kostete mich im Monat 95 Euro – inklusive Ermäßigung.“ Jetzt werde es günstiger. „Besser wäre natürlich, wenn das Ticket in ganz Deutschland gelten würde, viele müssen auch in andere Bundesländer in die Berufsschule.“ Da gilt es nämlich nicht. Jetzt könne er mit dem Sparen für ein eigenes Auto anfangen, erklärt Barczak.

Die Rostockerin Mercedes Djamila Symann (19), Auszubildende zum Erzieher, sieht in dem Ticket eine gute Möglichkeit für Auszubildende, mobil zu sein. Jedoch: 365 Euro auf einen Schlag sei schon recht teuer.

„Einen großen Gewinn für alle Beteiligten“ nennt Doberans Bürgermeister Jochen Arenz (parteilos) das nagelneue Ticket. Die Einführung werde von ihm „sehr begrüßt“. Die Stadtverwaltung bildet derzeit drei junge Leute aus.

Auch beim Zweckverband Kühlung (ZVK), zuständig für Trinkwasserversorgung und Abwasseraufbereitung in Doberan, Kröpelin, Neubukow und vielen weiteren Kommunen westlich von Rostock, kommt das Azubi-Ticket gut an. Schließlich müssten die zumeist 16- bis 17-Jährigen längere Wege zu ihren Ausbildungsorten ohne Führerschein zurückzulegen, erklärt ZVK-Assistentin Ilona Seelmann. So befindet sich zum Beispiel die Berufsschule für die umweltschutztechnische Berufsausbildung in Ribnitz-Damgarten. „Aufgrund der Pandemie ist leider vieles noch immer anders – und ein Jahresticket wahrscheinlich etwas schwierig.“ Gegenwärtig sei zum Beispiel nur für die Abschluss- und Prüfungsklassen Präsenzunterrricht in der Berufsschule vorgesehen. Auch sei die Nutzung des ÖPNV gegenwärtig „kritisch“. Generell erstatte der Zweckverband seinen derzeit fünf Azubis die Hälfte der bei der Ausbildung angefallenen ÖPNV-Kosten.

Hintergrund: Seit gestern gibt es Azubi-Tickets in MV. Die Jahreskarte für den öffentlichen Nahverkehr im Land kostet 365 Euro und erlaubt Fahrten mit Bussen, Straßenbahnen oder Regionalzügen. Lehrlinge können das Ticket nicht nur für den Weg zum Arbeits- oder Berufsschulort nutzen, sondern auch in der Freizeit. Nach Angaben des Verkehrsministeriums in Schwerin haben sich bereits mehr als 500 junge Leute das Ticket besorgt.

Auch die Stadtverwaltung Rostock, wo derzeit 54 junge Leute ausgebildet werden, begrüßt die Einführung des Tickets. „Dies ist eine konsequente Fortführung des Grundgedankens, Mobilität durch ÖPNV-Angebote schon in jungen Jahren zu leben, und erweitert entsprechende Angebote wie das Semesterticket und auch das regionale Rostocker Schülerticket“, erklärt Stadtsprecher Ulrich Kunze. Derzeit geprüft werde, ob die Stadt den Eigenanteil der Azubis übernehmen könne.

Ganz ähnlich die Stadtverwaltung Grevesmühlen, wo derzeit fünf Azubis in der Verwaltung und der Kita ausgebildet werden. Man gehe davon aus, dass alle Azubis das Ticket nutzen werden und „damit eine gute Alternative zum eigenen Auto für die Fahrten zur Arbeit“ hätten, erklärt Tina-Sophie Schulz aus dem Büro des Bürgermeisters. Dienstliche Fahrten der Azubis würden bereits heute erstattet.

Schottel Wismar: Wir zahlen die Tickets

Drei der sechs Azubis beim Propeller-Hersteller Schottel in Wismar nutzen regelmäßig und ausschließlich den ÖPNV – „auf dem Weg zur Berufsschule, ins Schweriner Ausbildungszentrum oder zur praktischen Ausbildung zu uns ins Werk“, erklärt Schottel-Sprecherin Catrin Busch. Man habe entschieden, für die drei die Kosten der Tickets vollständig zu übernehmen.

Wirtschaft und Gewerkschaften hatten ein Azubi-Ticket schon lange gefordert. Im Vorjahr willigte das Land ein, die auf jährlich etwa fünf Millionen Euro geschätzten Kosten zu übernehmen. Mit dem Geld sollen Einnahmeausfälle der Verkehrsbetriebe kompensiert werden.

Vertrieb über Deutsche Bahn

Mit dem Ticketvertrieb wurde die DB Regio AG betraut. Kauf und Nutzung des Tickets sind laut Verkehrsministerium voll digitalisiert. Bislang seien gut 700 Bestellungen eingegangen, mehr als 550 Tickets wurden bereits ausgegeben. Es habe auch Ablehnungen gegeben, weil die geforderten Ausbildungsplatz-Nachweise fehlten, hieß es. Das Verkehrsministerium rechnet mit einer deutlich größeren Nachfrage, sobald sich der derzeit massiv eingeschränkte Lehrbetrieb wieder normalisiert. Anspruchsberechtigt sind neben Auszubildenden und Schülern an Fachgymnasien auch Freiwilligendienstleistende und Beamtenanwärter der Laufbahngruppe 1.

Die Jugend des Deutschen Gewerkschaftsbundes DGB Nord sieht nun die Arbeitgeber in der Pflicht: Sie müssten „den Kostenanteil für ihre Azubis voll übernehmen“, fordert Robin Leger, Jugendbildungsreferent der DGB-Jugend MV. Man wolle zudem für weitere Verbesserungen kämpfen. So sei es nötig, „den Azubis, die den ÖPNV nicht nutzen können, auch die Kosten für den Individualverkehr zu erstatten“, so Leger.

IHK zu Rostock: Duale Berufsausbildung wird attraktiver

Schon lange hätten die IHKs gefordert, „dass auch die Auszubildenden in MV mit einem Azubi-Ticket unterstützt werden“ – so, wie es in anderen Bundesländern schon länger üblich sei, erklärt Klaus-Jürgen Strupp, Präsident der IHK zu Rostock. Es trage dazu bei, „die duale Berufsausbildung noch attraktiver zu machen. Das reduziert die durch die Konzentration der Berufsschulstandorte entstandenen hohen finanziellen Aufwendungen für weite Ausbildungswege.“

Mindestens jeder zweite Ausbildungsbetrieb unterstütze seinen Nachwuchs bereits heute bei den Fahrt- oder Unterbringungskosten oder zahle Zulagen zur Ausbildungsvergütung. Die IHK zu Rostock werbe bei Ausbildungsbetrieben auch weiterhin dafür, „Auszubildende bei den Mobilitätskosten zu unterstützen“, so Strupp. Diese seien mit dem Azubi-Ticket meist nicht abgedeckt, so dass Betriebe teilweise auch Unterbringungskosten am Ort der Berufsschule finanzieren. „So werden manchmal Wohnungen angemietet, die die Azubis dann als Wohngemeinschaft während der Berufsschultage nutzen können.“ Manche Firmen würden auch mit Tankgutscheinen unterstützen, andere stellten Azubi-Cars für Fahrgemeinschaften zur Berufsschule.

Strupp: „Die Beispiele zeigen, dass wir es gern den Betrieben selbst überlassen würden, in welcher Form sie ihre Azubis möglicherweise noch über das Azubi-Ticket hinaus unterstützen würden. Wir setzen dabei auf Freiwilligkeit und lehnen eine Verpflichtung ab. Für viele ist es im Wettbewerb um qualifizierten Nachwuchs ohnehin eine Selbstverständlichkeit.“ Laut einer aktuellen Umfrage der IHKs in MV pendelt jeder vierte Azubi mehr als 90 Minuten zur Berufsschule.

Rund 34 000 Jugendliche im Land könnten von dem Ticket profitieren. Prognosen zufolge würden es bis zu 10 000 auch nutzen. Die Unternehmerschaft wertet das Ticket als zusätzlichen Anreiz für junge Menschen, in MV eine Ausbildung zu beginnen.

Das Azubiticket sei nun der erste Schritt, Kosten für Auszubildende abzufedern, so die IHKs. Eine geplante Evaluierung zum Azubi-Ticket sei nötig, insbesondere, wie es von Auszubildenden in ländlichen Regionen genutzt werde. Im zweiten Schritt seien Lösungen für diejenigen Auszubildenden nötig, denen die Nutzung des ÖPNV gar nicht möglich ist. Und für die, die Berufsschulen in anderen Bundesländern besuchen.

Mögliche Lösungen: Die Einbindung der Berufsschulen in den Schülerverkehr und eine spürbare Fahrkostenerstattung beim Besuch von Berufsschulen außerhalb des Landes, so die IHKs.

Thomas Luczak
Ostseezeitung

Bad Doberan vom 02.02.2021, Seite 13

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